Honorarkräfte im Ärztlichen und Pflegedienst: Ein unlösbares Problem?

Der Fachkräftemangel beeinflusst den Betrieb eines Krankenhauses massiv. Denn alle Dienste müssen kontinuierlich besetzt sein, um dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden und nicht etwa Stationen abmelden zu müssen.

 

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Leider gelingt es nicht, hierauf konsistente Antworten zu geben oder gar leicht zu handhabende Lösungen zu liefern.

 

Auch der Industrie ist das Problem des Fachkräftemangels bzw. eines flexiblen Arbeitskräftebedarfs nicht unbekannt. Die dort entwickelten Gegenmaßnahmen beinhalten bspw. die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte oder den Einsatz von Leiharbeitskräften. Beide Instrumente haben im Krankenhaussektor nach unserer Wahrnehmung noch keine flächendeckende Verbreitung gefunden. Statt dessen wird auf den Mangel an Arbeitskräften in der Regel mit dem Einsatz von Honorarkräften sowohl im ärztlichen als auch pflegerischen Dienst reagiert. 

 

Diese Praxis war jedenfalls bis Anfang 2012 weit verbreitet. Seitdem prüft die Deutsche Rentenversicherung (Bund) zunehmend und immer häufiger Krankenhäuser mit dem Ziel, sich neue Beitragsvolumina zu erschließen. In der Praxis ist festzustellen, dass der Katalog der Prüfungsfragen möglicherweise für die Industrie passend ist, die Besonderheiten eines Krankenhausbetriebes jedoch nicht berücksichtigt. Dementsprechend häufig stellt die Deutsche Rentenversicherung das Vorliegen einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit fest, ohne auf die Argumente der Krankenhäuser oder deren individuelle Situtation einzugehen.

 

Vor diesem Hintergrund stellen sich verschiedene Fragen:

 

  • Hat die neue Vorgehensweise der Deutschen Rentenversicherung das Verhalten der Krankenhäuser beeinflusst? Werden seit 2012 womöglich weniger Dienste mit Honorarärzten besetzt oder gar - analog der Industrie - Leiharbeitskräfte beschäftigt, um die Haftungsrisiken zu begrenzen?
  • In welchen Fachdisziplinen ist der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften besonders hoch und wie wirkt sich dies auf die Preiskalkulation der Honorarkräfte aus?
  • Wirken sich die regionale Lage, die Größe eines Hauses nach der Zahl der Planbetten oder Mitarbeiter oder gar die Trägerschaft eines Krankenhauses auf die Notwendigkeit aus, auf Honorarkräfte zurück greifen zu müssen?

 

Diesen Fragen gehen wir aktuell mit einer Umfrage nach. Sie wurde an alle Krankenhäuser versandt. Aus den Ergebnissen der Umfrage erwarten wir uns Aufschlüsse zu den verschiedenen Überlegungen.

 

Vor allem aber ist es wichtig zu erfahren, ob es möglich ist, auf Honorarkräfte zu verzichten. Sollte der Bedarf unvermindert anhalten, besteht die dringende Notwendigkeit, den Krankenhäusern eine rechtlich verlässliche Lösung für das Problem des Fachkräftemangels anzubieten. Dies kann durch ein Eingreifen des Gesetzgebers und die Harmonisierung gesetzlicher Bestimmungen geschehen und ist im Sinne der Rechtsklarheit und -sicherheit aus Sicht des VdKP unerlässlich. Parallel ist es sinnvoll, den Einsatz von Honorarkräften auf dem Rechtsweg zu klären, um einen Korridor zu definieren, innerhalb dessen zumindest ein risikoarmer Einsatz möglich ist. Die dazu bislang ergangenen Urteile sind teilweise widersprüchlich und wenig hilfreich. Es ist letztlich aber nicht hinzunehmen, dass Krankenhäuser mit ihrem Problem alleine dastehen.

 

Mit diesen Fragen befasst sich der Arbeitskreis Honorarkräfte. Er wird darüber hinaus die Notwendigkeit diskutieren, ein Qualitätsanforderungen für Vermittlungsagenturen zu definieren und daraus ggf. ein Zertifizierungsverfahren abzuleiten, um die hohen Qualitätsstandards in Krankenhäusern zu sichern.

 

Bei Interesse an dieser Thematik, Fragen zu einer aktuellen Prüfung durch die Sozialversicherungsträger oder dem Wunsch, an einer gerichtlichen Klärung der Problematik durch Musterverfahren mitzuwirken, sprechen Sie uns bitte an!      

 

Hier finden Sie uns

Verband der Krankenhaus-Personalleiter
Meckenheimer Str. 73
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Telefon: +49 228 96697878

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Zudem erhalten Mitglieder des VdKP auf die Teilnahmegebühren für Veranstaltungen aus dem Bereich Personalmanagement des DKI einen Nachlass in Höhe von

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